Das letzte Buch


KZINacht1401140033.MXF.19_52_41_07
Ein Dokumentarfilm über die Schweizer Schriftstellerin Katharina Zimmermann (In Produktion)

Synopsis

Der Morgen gehört ihr und dem Schreiben. Diesen Freiraum hat sich Katharina Zimmermann dreissig Jahre zuvor erkämpft, als sie ihrem inneren Wunsch folgte, Schriftstellerin zu werden. Sie sitzt am Computer und feilt an ihren Erinnerungen. Doch ausgerechnet mit ihrem letzten Buch stösst sie auf Ablehnung: Ihr langjähriger Verleger und Freund Hugo lässt sie nach elf gemeinsamen Büchern plötzlich auflaufen.
Aber die Achtzigjährige denkt keinen Moment ans Aufgeben. Genauso wenig wie damals, als die junge Pfarrfrau mit ihrer Familie kurz vor dem Putsch 1965 in Kalimantan/Indonesien eintrifft. Ihr Ehemann Christoph unterrichtet dort im Auftrag der Basler Mission an der theologischen Akademie. Missionsarbeit – wie sehr sie dieses Wort damals hasst!

Der Empfang ist frostig, die Stimmung aufgeheizt. Niemand will mit den Weissen zu tun haben. Wer trotzdem in ihr Haus kommen muss, macht dies nur im Schutze der Nacht. Ihre Sprachkenntnisse sind noch zu schlecht, um zu verstehen, welchen Gefahren sie ausgesetzt sind. Das Morden und Denunzieren ist beispiellos. Dass sie das Land nicht gleich wieder verlassen, bringt ihnen später bei der einheimischen Bevölkerung grosse Anerkennung.

Die Zimmermanns leben mit den Dayak, den Naturvölkern Kalimantans, schicken ihre Kinder in die lokale Schule, sprechen ihre Sprache, essen ihr Essen und gehen wie sie barfuss durch den Urwald. Sie nehmen fünf Dayak Waisenkinder in ihre Familie auf, die mit ihren vier leiblichen Kindern Zimmer und Hausarbeiten teilen, gemeinsam Streiche aushecken und beim Geschirrspülen „Es Burebüebli“ singen. Für Katharina eine Gemeinschaft wie aus einem Traum. Die Dayak-Kinder werden – über die Stammeszugehörigkeit hinaus – zu einer Familie. Einer der Pflegsöhne wird Ingenieur Agronom und übernimmt später die Bauernberatung, die Christoph in den letzten Jahren aufbaut.

Als sie 1980 mit ihrer Familie in die Schweiz zurückkehrt, findet sich Katharina in ihrer alten Heimat kaum noch zurecht. Weit ab von der Zivilisation hat sie von der rasanten Entwicklung der westlichen Welt nichts mitbekommen. Während sie den Frauen im Busch lesen und stricken lehrte, haben die Schweizer Frauen das Stimm- und Wahlrecht erhalten. Das entspricht zwar ganz ihrem Streben nach Gleichberechtigung. Doch das Auftreten der Frauen verunsichert sie zu tiefst. In dieser Not beginnt sie zu schreiben. Mit fünfzig Jahren will sie endlich jenes Buch realisieren, das seit Jahren in Arbeit ist: „DAMEK – Der Junge aus dem Regenwald“.  Und prompt erhält sie den Schweizer Jugendbuchpreis.

Buch für Buch schreibt sie sich los von ihrer indonesischen Verwurzelung, erarbeitet sich Stück um Stück ihrer Schweizer Heimat. Weitere Preise folgen. Nach und nach befreit sie sich von ihrer Rolle als Gattin und Mutter einer Grossfamilie. Als Schriftstellerin tritt sie aus dem Schatten ihres charismatischen Ehemanns. Auch als Christoph schwer erkrankt und schliesslich stirbt, hilft das Schreiben Katharina, sich nach dem Tod ihrer grossen Liebe wieder in der Welt zurecht zu finden. Aus dem Schreiben schöpft sie schlussendlich auch die Kraft, für ihr letztes Buch zu kämpfen.

Dann stellt sich die Frage, ob sie noch einmal zu ihren Pflegekindern zurückzukehren will. Doch sie winkt ab, dafür würden ihre Kräfte nicht mehr ausreichen. Oder hat sie Angst vor „zerstörten Erinnerungen“, wie ihre Tochter Renate vermutet? Dieser wird plötzlich klar, dass sie sich auf die Suche nach ihren Indonesischen Geschwistern machen will, im Gepäck eine Videobotschaft der Mutter. Auf der Suche nach ihrer Heimat, findet die Tochter nach dreissig Jahren ein ihr nunmehr unbekanntes Land. Und sie erkennt, dass ihr kein Ort Heimat sein kann – ausser die Gemeinschaft mit ihren Geschwistern: beim vereinten Kochen und Singen. Und diese Gemeinschaft bringt sie ihrer Mutter in Botschaften und Bildern nach Hause. Nun sprudeln Katharinas Erinnerungen in die autobiographischen Texte für ihr Buch.

Katharina Zimmermann hat mittlerweile erfahren, dass ihr Verleger einen „Produktionsstopp“ und den Verkauf des Verlags beschlossen hat. Doch so einfach lässt sich Katharina nicht abspeisen – nicht nach dreissig Jahren.

Der Film verknüpft die aufregende, emanzipatorische Lebensgeschichte der Protagonistin mit ihrem literarischen Schaffen und zeigt, wie befreiend die Kraft der Sprache wirkt.

Anne-Marie Haller: Buch | Regie | Kamera| Schnitt |Tanja Trentmann: Dramaturgie |Chloé Le Grand: Kamera | Assistenz | Jan Buchholz: Kamera | Veronika Klaus: Tonschnitt & Mix | Fabian Steiner: Colorgrading