Das letzte Buch


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Das aufregende Leben der 85jährigen Katharina Zimmermann: Von der zudienenden Pfarrersfrau zur emanzipierten Schriftstellerin.

Synopsis

DAS LETZTE BUCH stellt den ungewöhnlichen und aufregenden Lebensweg der Schweizer Schriftstellerin Katharina Zimmermann in den Mittelpunkt. Er wird zum Symbol für die erstaunliche Emanzipation einer Schweizer Generation von Frauen. Eine Generation, welche mit einer Heirat ihre Selbständigkeit verlor. Ohne Zustimmung des Ehemannes durften diese Schweizerinnen weder eine Stelle antreten noch ein Bankkonto eröffnen oder Verträge abschließen. Wir alle sind noch geprägt von dieser Zeit, weit mehr als wir glauben: Unsere Mütter oder unsere Großmütter gehören zu dieser Generation. Das Schweizer Bundesgesetz über die Gleichstellung von Frau und Mann ist keine fünfundzwanzig Jahre alt – und wie wir wissen: noch lange nicht umgesetzt. Durch die aktuellen Diskussionen rund um die Forderungen für Gleichstellung der Frauen in der Arbeitswelt, hat dieses Filmprojekt zusätzlich an Bedeutung gewonnen: DAS LETZTE BUCH geht der Frage nach, wie es einer Frau dieser Generation gelingen konnte, ein eigenständiges und kreatives Leben aufzubauen.

Wir blicken auf das aufregende Leben von Katharina Zimmermann, einer Schweizerfrau (1933), – einer Pfarrersfrau, die ihrem Ehemann ins tiefe Emmental folgt und danach auf Mission in den Urwald Kalimantans (Indonesien), wo sie ihre vier eigenen sowie fünf Pflegekinder großzieht. In Indonesien, abgeschnitten von Informationen, erlebt sie den Militärputsch. Sie wird wegen ihrer weißen Hautfarbe und ihrer Fremdheit angefeindet. Zurück in der Schweiz ist sie erneut die „Fremde“. Doch durch das Schreiben entdeckt sie ihre eigene Stimme und geht ihren eigenen Weg. Fremdsein, dieses Thema steht auch für ihre älteste Tochter Renate im Mittelpunkt, die ihre gesamte Kindheit in eben jenem indonesischen Urwald verbracht hat. Mit ihr machen wir uns auf die Reise an den Ort, der diese Frauen geprägt hat.

Elf Bücher hat Katharina Zimmermann in den letzten dreissig Jahren erfolgreich veröffentlicht. Nun, mit achtzig schreibt sie an einer Biografie und erzählt uns ihr Leben. Doch plötzlich muss sie noch einmal kämpfen, denn der Verleger will sie aufs Abschiebegleis schicken.

Der Film ist ein wichtiger Beitrag zur öffentlichen Wahrnehmung der Frau. Eine Frau wie Katharina Zimmermann, die im Alter von fünfzig das emanzipierte und erfüllte Dasein als Schriftstellerin entdeckt – und auch mit über achtzig Jahren noch aus dieser Ressource schöpft – solche Frauenbilder brauchen wir dringend. Der Film wirft zudem einen anderen Blick auf die Thematik Integration. In diesem Film haben nicht Menschen aus Afrika Schwierigkeiten pünktlich zu sein oder sich richtig zu verhalten – sondern Schweizerinnen, die indonesisch denken, fühlen und handeln. Gerade durch die umgekehrten Vorzeichen führt uns diese aus- und rückgewanderte Familie an den schmerzhaften und hochaktuellen Punkt des Fremdseins.

Anne-Marie Haller Buch | Regie | Kamera| Schnitt | Tanja Trentmann Buch | Regie | Chloé Le Grand Kamera | Assistenz | Jan Buchholz Kamera | Pascal Schärli Sounddesign & Mix | Fabian Steiner Colorgrading