African-Poetry-Safari


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AL_VERNISSAGE_sw„African-Poetry-Safary“, eine Reise durch die Schweiz (In Entwicklung)

Synopsis

Zu seinem 80. Geburtstag macht sich Al Imfeld selber das grösste Geschenk: AFRIKA IM GEDICHT. Er wiegt das Jahrhundertwerk in seinen Händen, blickt in die Runde der geladenen Gäste. Seine Freude, sein Stolz ist seiner Stimme anzuhören. „Es ist eine Brücke zwischen Afrika und dem Westen.“ Seine Gäste nicken zustimmend. Der Meister bleibt ihnen keine Erklärung schuldig.

Alles begann Anfang der sechziger Jahre, während seines Kultur-soziologiestudiums in New York. Auf der Suche nach dem „typisch Afrikanischen“ in der aktuellen afrikanischen Literatur, wurde ihm klar: Diese Autoren schreiben kämpferisch gegen die Herrschaft an. Imfelds anfänglich verhaltene Stimme wird lauter. „Es ist ein Appel an die europäischen Kolonialherren: ‚Gebt uns frei!‘ und ich begriff, sie, die Afrikaner, hatten mir etwas zu sagen und nicht ich ihnen!“ Ganz besonders im Gedicht. Ton und Gesten erinnern, dass Al Imfeld nicht nur als Journalist sondern auch als Priester und Missionar unterwegs war. Statt einer Bibel hält er die Anthologie in der Hand. „Die Zeit ist nicht nur reif, sie verlangt geradezu nach so einer Grundlage, denn das Gedicht ist das Fundament einer Gesellschaft.“ 

« Ein Fluss muss fliessen – er muss streben nach tieferem Land;

Ein Fluss muss fliessen – es dürstet ihn nach dem Meer.

Egal wie viele Dämme man ihm in den Weg stellt,

Egal wie weit er ausweichen muss

Ein Fluss muss fliessen – er muss streben nach tieferem Grund.

Er muss seine Zunge versenken im salzigen Schoss der See. »

 „Chinweizu!“ ruft die Leserin des Gedichts ganz aufgeregt. Sie sucht den Blick ihrer Coiffeuse im Spiegel. „Ein grosser Schriftsteller bei uns in Nigeria!“. Die Aufregung überträgt sich auf ihre Freundinnen, die zum Teetrinken und Klatschen in den Salon gekommen sind. Jede versucht einen Dichter aus ihrer Heimat zu finden. Einige können es kaum fassen: Eine Gedichtband mit afrikanischen Gedichten und das in der Schweiz! Andere wussten gar nicht, dass es afrikanische Gedichte gibt.

Das Buch wechselt von Hand zu Hand, von Ort zu Ort. Nach dem Afro-Coiffure-Salon taucht es in einem Durchgangszentrum für Asylsuchende auf, in einer Kirche, an einer Hochschule, an einem Deutschkurs für Fremd-sprachige, in der Chefetage der Credit Suisse. Die Menschen, die zu diesen Händen gehören, sprechen unterschiedliche Sprachen, haben unter-schiedliche Ausbildungen, Religionen und unterschiedliche Schattierungen dunkler Haut. Alle suchen in den 800 Seiten nach einer Stimme ihrer Heimat. Der Zufall wählt das Land. Simbabwe. Angola. Togo. Liberia. Eritrea. Somalia. D.R. Kongo. Elfenbeinküste. Nigeria. Die Gedichte lösen die Zungen. Sie erzählen vom Leben in ihrem Dorf, von der Freude, den Nöten – sie erzählen jene Geschichten, denen sie damals unter dem Mangobaum oder am Feuer in einem Hinterhof einer Millionenstadt lauschten. Einer von ihnen ist der Dichter und Musiker Stan Weier in Meilen. Er erzählt von diesem ganz besonderen Bedürfnis sich zu äussern, etwas zu bewirken. Wie zum Beispiel mit seinem Obama-Song „Change“. Und was es für ihn bedeutet, dass vier seiner Rap-artigen Gedichte in der Anthologie zu finden sind. Auf Seite 320 stossen wir auf einen der unzähligen Intellektuellen, die Mobutus Regime entfliehen mussten, Cikuru Batumike. Wir bleiben an der letzten Strophe seines Gedichts „Présence“ hängen:

« Ich richte mich in der teuren Freiheit ein

Weit weg von meiner ersten Lebenswelt

Wo ich nicht flirten konnte

Eintauchen in eine andere Welt. »

 Der Dichter öffnet uns die Tür zu seiner Schreibwerkstatt in Biel. Er greift nach einem Buch, erschienen 2006. „Etre Noir Africain en Suisse“ – Intégration, identité, perception et perspectives d’avenir d’une minorité visible.

 

Anmerkungen der Autorin:

Die Brücke Die Äusserung von Al Imfeld, diese Anthologie sei für uns die Brücke zu Afrika, gab den Anstoss, diese Brücke zu nutzen und  der Bedeu-tung des Gedichts in Afrika nachzugehen. Bald wurde mir klar, dass dieser Film nicht in Afrika sondern hier, in der Schweiz spielen muss. So gibt diese Anthologie Anlass, über das Gedicht auf jenes Afrika zuzugehen, das zu uns gekommen ist.

Der Film African-Poetry-Safari ist eine poetische Reise durch die Schweiz, die auf die „negride Romantik“ bewusst verzichtet – dafür umso stärkere Bilder über die Kraft des Erzählens und der Magie des Gedichts entstehen lässt. Erzählungen und Erinnerungen an ihre alte Heimat, werden durch Bilder und Szenen der neuen Heimat kontrastiert. African-Poetry-Safari zeigt eine „neue Heimatkunde“ Afrikas. Der Film leistet einen Beitrag zur Integration. Für beide Seiten – denn nur so kann Integration auch stattfinden.